Langzeiturlaub im Süden

sxc_1162894_sun_and_cloudsMit den Zugvögeln der Sonne entgegen - Dunkelheit, Kälte und Dauerregen, das klassische Herbst- und Winterwetter in Deutschland ist nicht gerade jedermanns Sache. Warum also nicht einfach der kalten Jahreszeit entfliehen? Gerade ungebundene Personen im Rentenalter erkennen in einer Reise in den Süden mehr und mehr den Ausweg aus dem winterlichen Stimmungstief. Sie überwintern im milden mediterranen Klima ohne Schnee und Minusgrade mit einem Plus an Wohlbefinden und guter Laune.

Über eine halbe Million Deutsche kehren dem Winter für mehr als zwei Monate den Rücken, und jährlich tragen sich allein in Deutschland rund 50.000 Menschen im Alter ab 50 mit dem Gedanken, in die sonnigen Gefilde überzusiedeln. Tendenz steigend. Auf der Beliebtheitsskala führen die klassischen Überwinterungsziele rund ums Mittelmeer und die Kanarischen Inseln.

Wie alles begann ...

Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts zog es den Adel Mittel- und Nordeuropas in den Wintermonaten ans Mittelmeer. Offiziere der englischen Mittelmeerflotte entdeckten die kleinen, schläfrigen Orte entlang der französischen Küste, die später Côte d’Azur genannt wurde, als ideale Plätze zum Überwintern. Wer es sich leisten konnte, das neblige England zu verlassen, der zog im Winter in diese begünstigte Gegend mit dem milden Klima. Im Sommer ein Backofen, im Winter ein Paradies, notierte Madame Rothschild. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts existierte bereits eine englische Kolonie in Nizza, bald auch in Cannes. Zug um Zug wurden die meist recht bescheidenen Küstendörfer erschlossen. Bereits um 1900 war die Côte d’Azur das Nobelquartier Europas, von dem aus sich der Trend zur Flucht vor dem Winter auf die Nachbarländer Italien und Spanien ausdehnte.

Nicht nur die Sonne lacht ...

Überwintern im sonnigen Süden - was einst das Privileg der High Society war, erfasst zunehmend weite Kreise der Bevölkerung. In den vergangenen Jahren ist mit der Nachfrage nach Überwinterungszielen auch das Angebot enorm gestiegen. Die Preise für Hotels und Appartements sind rückläufig, Flüge und Übernachtungen können im Winter erheblich günstiger gebucht werden als während der sommerlichen Hochsaison. Andalusien und die spanischen Inseln locken im Winter mit grünen Wiesen, Orangenhainen und blühenden Gärten.

Spanien: seit Jahren das Überwinterungsziel Nummer eins

Insbesondere auf den Balearen, den Kanaren und in der Region Andalusien hat sich die touristische Infrastruktur bestens auf die Bedürfnisse der Besucher eingestellt und ermöglicht einen völlig unkomplizierten Urlaub im Kreise zahlreicher Gleichgesinnter. Wer Spanien in der Sommersaison bereist hat, wird das Land im Winter ganz neu entdecken. Andalusien und die spanischen Inseln zeigen sich von ihrer schönsten Seite: grüne Wiesen, Orangenhaine und blühende Gärten mit üppigem Blumenschmuck. Die allerorts gut angelegten Strandpromenaden sind beliebte Spazierwege, um im winterlich warmen Sonnenschein das mediterrane Klima zu genießen.

Italienische Reize

Auch in Süd- und Mittelitalien besteht ein breites Angebot an Überwinterungsdomizilen. Zu den klassischen Regionen zählt allen voran der Golf von Neapel mit den Inseln Capri und Ischia. Ischia gehört zu den ältesten und berühmtesten Kurorten Europas. Eingebettet in eine bezaubernde Landschaft mit weiten Stränden, herrlichen Pinienwäldern, Weinbergen und Orangenhainen, haben die zahlreichen Thermalbäder den Charme traditioneller Bade- und Kurkultur bewahrt.

Alternative Reiseziele auf dem Vormarsch

Neben den klassischen Überwinterungszielen Spanien und Italien holen mehr und mehr auch andere Länder rund ums Mittelmeer auf. Günstigere Lebenshaltungskosten, niedrige Immobilienpreise, aber auch die erheblich verbesserte medizinische Versorgung, bescheren den Ländern des östlichen Mittelmeerraums, wie Griechenland, der Türkei und Zypern, in jüngster Zeit einen stetigen Zulauf von Langzeiturlaubern im Winterhalbjahr. Selbst außereuropäische und exotische Reiseziele, wie z. B. Australien oder Bali, rücken zunehmend ins Bewusstsein der wintermüden Langzeiturlauber.

An der Gold Coast Australiens südlich von Brisbane trifft der Urlauber auf eine perfekte Ferienlandschaft – und auf traditionell herzliche, offene Australier. Ein sommerlich warmes, Mittelmeer-ähnliches Klima in Verbindung mit kilometerlangen Stränden bietet beste Voraussetzungen für aktive Erholung. Und auch die landschaftlichen Attraktionen der Umgebung tragen dazu bei, den europäischen Winter schnell zu vergessen.

Die Urlaubsplanung: Woran Sie unbedingt denken sollten

Die Vorstellung dem Winter zu entfliehen ist reizvoll und das Angebot so reichhaltig, dass bestimmt für jeden das Passende gefunden werden kann. Ein längerer Auslandsaufenthalt sollte jedoch - gedanklich wie organisatorisch - gut vor-bereitet werden:

Sind Sie der Typ für einen Langzeiturlaub?

Der Selbst-Check:

Außerhalb der Hochsaison ein Land ganz anders und neu entdecken: Mit Einheimischen sprechen, an traditionellen Festen teilnehmen, für Boule-bzw. Boccia-Zeit haben ...Ein langer Aufenthalt im Ausland bietet - neben der wohltuenden Wirkung für Körper und Geist - die Chance, eine fremde Kultur genauer kennen zu lernen. In den Wintermonaten, wenn der touristische Trubel auf ein Minimum reduziert ist, sind die Menschen im Gastland in der Regel offener, und Gespräche in Cafés, Restaurants, am Markt oder am Strand ermöglichen tiefere Einblicke in das Leben der Einheimischen.

Die Gelegenheit, interessante Menschen zu treffen und vielleicht neue Freunde zu finden, ist nicht nur für Singles ein Thema. Voraussetzung ist jedoch ein gewisses Maß an Offenheit, damit man sich in der selbst gewählten neuen Umgebung auch wohl fühlt.

Neben den organisatorischen Fragen sind auch die partnerschaftlichen und persönlichen Veränderungen nicht zu unterschätzen. Auf gemeinsame Unternehmungen mit Familie und Freunden muss für längere Zeit verzichtet werden. Für Paare bedeutet dies, sich während des Urlaubs wesentlich intensiver miteinander beschäftigen zu können oder zu "müssen", als es normalerweise der Fall ist, auch weil man mehr als in der gewohnten Umgebung aufeinander angewiesen ist.

Und: Auch die Gefahr, dass man irgendwann einmal vom Heimweh gepackt wird, sollte im Vorfeld erkannt sein. Sogar erfahrene Langzeiturlauber wissen davon zu berichten. Sind Sie diesen Anforderungen gewachsen? Prüfen Sie sich selbst.

Gesundheitliche Erwägungen

Für viele Menschen stehen bei der Entscheidung, den Winter im Süden zu verbringen, gesundheitliche Aspekte im Vordergrund. Gesundheitsfördernd wirkt sich in vielen Fällen bereits die Tatsache aus, dass man dem heimatlichen Schmuddel wetter entrinnt. Ausgedehnte Spaziergänge am Strand sowie frische Meeresluft halten Herz und Kreislauf fit und trainieren die Muskeln. Die milden Temperaturen sind ideal für ausgedehnte Wanderungen und Besichtigungstouren, die unter der glühenden Sonne des Hochsommers beschwerlich und für viele Menschen aus gesundheitlichen Gründen kaum durchführbar wären.

In jedem Fall sollte man aber zunächst unbedingt mit dem Arzt besprechen, ob ein längerer Aufenthalt im Süden zu empfehlen ist. Dabei muss auch an die Reiseapotheke gedacht werden, und es sind mögliche gesundheitliche Komplikationen zu erörtern, die durch den Klimawechsel und den Reisestress auftreten könnten. Zur Sicherheit sollte man den bestehenden Impfschutz überprüfen und weitere Vorsorge-Impfungen, wie beispielsweise gegen Hepatitis A, mit dem Arzt besprechen. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, tut gut daran, einen entsprechenden Vorrat für den Aufenthalt mit einzuplanen.

Medizinische Versorgung vor Ort

Die gesundheitliche Versorgung im Ausland entspricht möglicherweise nicht den deutschen Standards. Dennoch sind beispielsweise spanische und italienische Ärzte keineswegs schlechter ausgebildet als ihre deutschen Kollegen. Im Gegenteil: Häufig stammen sie aus alt-eingesessenen Arztfamilien und haben an renommierten Universitäten studiert. Gleiches gilt für Griechenland, Zypern, Portugal und Tunesien. Die steigende Zahl deutschsprachiger Touristen führte sogar dazu, dass zahlreiche einheimische Ärzte in Touristenregionen Deutsch gelernt haben. Zudem zieht es auch immer mehr deutsche Mediziner in südliche Gefilde. Allein auf Mallorca praktizieren inzwischen mehr als 60 deutsche Ärzte und 30 Zahnärzte. Wichtigste Grundregel: Gehen Sie nur dort "vor Anker", wo Sie schon einmal einen Urlaub verbracht haben.

Welches Land? Die Qual der Wahl

Die Entscheidung zum Überwintern ist gefallen, nur: Welches Land, welche Region ist die richtige? Generell sollte man sich für einen Aufenthaltsort entscheiden, den man aus früheren Urlauben kennt. Falls man aber ein neues Land, eine unbekannte Region während des Langzeiturlaubs entdecken möchte, empfiehlt es sich, zuvor einen Kurzurlaub zu buchen. Im Verlauf dieser kurzen Reise lassen sich wertvolle Eindrücke, Natur , Landschaft, Unterkünfte, Mentalität der Bewohner und Infrastrukur, sammeln. Es ist wichtig, die eigenen Vorstellungen mit den Gegebenheiten am Urlaubsort kritisch zu vergleichen. Während der üblichen zwei- bis dreiwöchigen Reisen im Sommer gelingt es meist noch recht gut, sich mit den örtlichen Verhältnissen zu arrangieren. Solche "Kleinigkeiten", die einen Kurzurlaub nicht beeinträchtigen, können den Langzeiturlaub aber erheblich stören.

Pauschalurlaub oder individuelle Reiseplanung?

Die meisten Langzeiturlauber verlassen sich lieber auf rundum organisierte Pauschalangebote. Und dies nicht ohne Grund. Der gesamte Aufenthalt am Urlaubsort - Anreise, Unterkunft und Verpflegung - wird über einen Reiseveranstalter organisiert. Dieser haftet auch in bestimmten Fällen, wenn es zu Mängeln kommt - eine Absicherung, die Individualreisende nicht haben. Preisvergleiche zeigen zudem, dass eine individuell gebuchte Reise meist nicht günstiger ist als vergleichbare Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Welche Vorzüge hat eine individuell zusammengestellte Reise? Individualurlauber genießen große Flexibilität: Sie können ihren Aufenthalt im Süden z. B. auch an verschiedenen Orten verbringen und die Reise aufteilen - etwa drei Wochen auf Mallorca, zwei Wochen Costa del Sol, vier Wochen Teneriffa. Solche Angebote sind in den Katalogen der Veranstalter so gut wie nie zu finden. Droht ihrer Überwinterungsregion unerwartet eine lang anhaltende Schlechtwetterfront, können individuell Reisende jederzeit ihre Koffer packen und der Sonne entgegen ziehen, während Pauschalurlauber ausharren müssen.

Hotel versus Ferienwohnung

Soll Ihr Haustier mitreisen? Haben Sie für Zuhause eine Betreuungsperson ? Sind Sie gegen Heimweh gewappnet? Diese und mehr Fragen gibt es zu klären, damit Ihr Winterurlaub im Süden zu einer schönen und erholsamen Zeit wird. Erfahrenen Langzeiturlaubern ist es meist wichtig, der Enge eines Hotelzimmers zu entfliehen und in einer Ferienwohnung oder einem Haus zu überwintern. Das hat den Vorteil, dass man - gerade bei einem längeren Aufenthalt - mehr Freiraum genießt. So besteht auch die Möglichkeit der Selbstversorgung, und überhaupt kann der Tag in einer Ferienwohnung völlig unabhängig und ohne irgendwelche Einschränkungen gestaltet werden – ganz in der Art eben, wie man es von zu Hause gewöhnt ist.

Unbesorgt reisen

Damit Sie unbeschwert Ihren Langzeitaufenthalt antreten können, darf auch das Zuhause nicht vergessen werden: Finden Sie eine Vertrauensperson, die in der Wohnung nach dem Rechten sieht, die Pflanzen gießt, die Post einsieht und eventuell die Haustiere versorgt. Auch das Finanzielle will mit Bedacht geregelt werden: Miete oder andere regelmäßige Ausgaben sollten per Dauerauftrag automatisch vom Konto abgebucht werden. Ebenso möchte man am Ferienort natürlich jederzeit und sicher Zugriff auf Bargeld haben. Bei Aufenthalten über mehrere Wochen oder Monate empfiehlt es sich ein Auslandskonto einzurichten, auch wenn Scheck-und Kreditkarten nahezu überall akzeptiert werden.

 

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