WiA 4 - Zentrale Innovationsherausforderungen

Die Auswirkungen des demografischen Wandels stellen die Wohnungswirtschaft momentan vor enorme Herausforderungen. Suboptimale Wohnungsbestände aus den 50er/60er Jahren verschärfen dieses Problem noch und machen eine seniorengerechte Wohnraumanpassung oftmals nahezu unmöglich. Die Wohnungswirtschaft muss sich zukünftig den neuen Entwicklungen im Bereich der Haushaltsstrukturen und den Wohnwünschen älterer Menschen anpassen.

sxc_1200630_65511822_craftsman2Als entscheidender Faktor für Produkte und Dienstleistungen im Bereich Wohnen/Immobilien hat sich zudem herausgestellt, dass das gesamte Wohnumfeld (die lokale Umgebung) mit in die Betrachtung einbezogen werden muss. „Wohnen im Alter“ darf und wird sich deshalb künftig nicht mehr nur auf die Anpassung des unmittelbaren Wohnraumes beschränken können. Vielmehr gilt es, umfassende Konzepte zu entwickeln, die auch eine Anpassung des Wohnumfeldes, der quartiersbezogenen Infrastruktur sowie der Versorgung mit Einkaufs- und sonstigen Dienstleistungsangeboten auf Stadtteilebene einschließen.

Damit bieten sich viele Möglichkeiten für seniorengerechte Produkte auf dem Wohnungsmarkt, die sowohl für die Wirtschaft interessant sind als auch zu einer Verbesserung der Lebensverhältnisse älterer Menschen beitragen. Weitere Optionen ergeben sich im Feld der alternativen Wohnmöglichkeiten, insbesondere an den Schnittstellen zwischen Wohnen, Gesundheit und Technik (hier sind insbesondere die Bereiche Telemedizin und SmartHome-Techniken zu nennen). Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass besondere Potenziale vor allem in den folgenden Bereichen gesehen werden:

  • Wohnbegleitende Dienstleistungen
  • Barrierefreies Wohnen
  • Residenz- bzw. Servicewohnen
  • Intelligente Wohnformen
  • Alternative Wohnkonzepte
Wohnbegleitende Dienstleistungen

Der Bereich der wohnbegleitenden Dienstleistungen ist sehr breit gefächert und umfasst neben ambulanter Therapie und Pflege auch alltägliche Hilfestellungen wie z. B. Einkaufs- oder Reinigungsdienste, Hausmeisterdienste oder Mobilitätsdienstleistungen (Fahrdienste oder beispielsweise Vergünstigungen für Fahrkarten im Nahverkehrsbereich). Die Einrichtung derartiger Dienstleistungen stellt für die Wohnungsunternehmen häufig eine Notwendigkeit dar, um ältere Mieter/innen mit eingeschränkter Mobilität im eigenen Mietbestand zu halten und Leerstände zu vermeiden. Dabei wird von Seiten der Wohnungsunternehmen oftmals eine Vermittlerrolle eingenommen, während die Dienstleistungen selbst von externen Unternehmen erbracht werden.

Barrierefreies Wohnen

Was bei vielen Neubauten bereits zum Standard gehört, muss bei vorhandenen Wohnbeständen im Rahmen von Sanierungen/Modernisierungen nachträglich umgesetzt werden.

Für den Umbau einer Wohnung werden unterschiedliche Handwerksfertigkeiten benötigt, die Organisation der verschiedenen Dienstleistungen bedeutet sowohl für den einzelnen Mieter als auch für eine Wohnungsgesellschaft einen hohen zeitlichen Aufwand. Nahe liegend wäre eine Beratung quasi aus einer Hand, die sich von der Objektbetrachtung über Planung bis hin zu konkreten Baumaßnahmen um die Gestaltung der Wohnung kümmert. Barrierefreiheit ist in vielen öffentlichen Gebäuden und in der stationären Altenpflege schon längst Pflicht.

In Privathaushalten hingegen leben die meisten Älteren noch immer unter für sie nicht optimalen Bedingungen. Oftmals fehlt das Wissen darüber, welche Möglichkeiten es für eine altersgerechte Anpassung des eigenen Zuhauses gibt. Hinzu kommt die oft hohe Intransparenz bei der Frage nach den richtigen Ansprechpartnern, den möglichen Kosten oder nach bestehenden Fördermöglichkeiten. Barrierefreies Wohnen ist ein Oberbegriff für die generelle Anpassung des Wohnraumes an die Bedürfnisse und Anforderungen des Alters, die sich beispielsweise aus nachlassender Muskelkraft oder eingeschränkter Beweglichkeit ergeben. So vielfältig wie die Anforderungen an und Möglichkeiten der barrierefreien Umgestaltung, sind auch die daran beteiligten Gewerke.

Für die „einfache“ barrierefreie Modernisierung eines Badezimmers sind nicht selten mehr als vier verschiedene Handwerker/innen nötig (Maurer, Fliesenleger, Elektriker, Gas-/Wasserinstallateur etc.).

Residenz- bzw. Servicewohnen

Der Bereich des Residenz- und Servicewohnens richtet sich gezielt an kaufkräftige, anspruchsvolle Senioren/ innen. Dabei handelt es sich um größere, oftmals hochpreisigere Wohnprojekte, bei denen über die Erbringung von wohnbegleitenden Dienstleistungen und barrierefreier Architektur hinaus auch Wert auf weitergehende Angebote wie Gemeinschaftsräume, Wellnessbereiche etc. gelegt wird. Häufig zeichnen sich diese Anlagen durch einen gewissen „Hotelcharakter“ aus. Im oberen Preissegment scheint der Markt zur Zeit keine größeren Wachstumspotenziale mehr zu bieten.

Im mittleren Preissegment jedoch besteht weiterhin eine hohe Nachfrage nach Wohnangeboten, die durch ein umfängliches Service-Angebot ergänzt werden. In den letzten Jahren sind zunehmend auch Eigentumsmodelle auf den Markt gekommen, die u.a. auf die Kundengruppe der ehemaligen „Eigenheimer“ zielen.

Intelligente Wohnformen

Unter intelligenten Wohnformen versteht man eine vollständige (internetbasierte) Vernetzung der Wohnung, wodurch unterschiedlichste Anwendungen (etwa im Bereich der Kommunikation oder auch Telemedizin) in den Haushalt integriert werden können. Die Palette der Möglichkeiten für intelligentes Wohnen ist sehr groß.

Um die Vielfalt für den Kunden überschaubar zu machen, müssen allerdings individuelle Anwendungspakete geschnürt werden. Beispiele hierfür sind Standardpakete, in denen zum Beispiel ein Rauchmelder sowie Heizungs- und Warmwassersteuerungen mit integrierter Fernablesung enthalten sein können. Ein Sicherheitspaket würde eine Zentralverriegelung, eine Anwesenheitssimulation mit Rolladen- und Garagensteuerung, eine Web-Cam zur Hauskontrolle und vieles mehr enthalten. Intelligente Wohnungen bzw. Gebäude ermöglichen auch die multimediale Kommunikation mit dem Arzt (Telemedizin).

Die Bedeutung gesundheitsbezogener Technologien, die die individuelle Sicherheit erhöhen, dürfte weiter wachsen. Dies liegt auch darin begründet, dass „Smart-Home-Technologien“ allgemein inzwischen eher (auch von älteren Menschen) akzeptiert werden. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend greift in seiner aktuellen Modellreihe „Das intelligente Heim“ Erkenntnisse des Smart Home auf und erprobt an elf Standorten, wie neue Techniken und Ausstattung die Lebensqualität älterer Menschen in Einrichtungen und Wohnstätten nachhaltig verbessern können (www.baumodelle-bmfsfj.de). Dabei werden auch Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen (public private partnership) ausgelotet.

Alternative Wohnkonzepte

Alternative Wohnkonzepte umfassen vielfältige Möglichkeiten des Zusammenwohnens, wie z. B. Senioren-Wohngemeinschaften, Mehrgenerationenwohnen oder gemeinschaftlich organisierte „freie“ Wohnprojekte. Und auch hier gibt es interessante Ansätze, von Wohngemeinschaften auf einem hohen Niveau bis hin zu beispielhaften Demenzwohngemeinschaften. Wesentliche Erkenntnisse hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nicht zuletzt in seiner Projektreihe „Wohnen der Zukunft – modernes Leben im Alter“ und durch die Förderung modellhafter Investitionsprojekte wie „Olga – Oldies leben gemeinsam aktiv“ in Nürnberg gewonnen.

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